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  • beier+wellach projekte

    themen entwickeln gestalten

  • Warum müssen wir

    zum Mars?

  • Warum müssen wir

    zum Mars, Herr Reiter?

    Thomas Reiterzurück

    Thomas Reiter (*1958)

    "Der Weg zum Mars führt über den Mond."

    Wenn es um Raumfahrt geht, macht niemand Thomas Reiter so leicht etwas vor. Denn mit 350 Tagen Aufenthalt im All gilt der Frankfurter Dipl.-Ingenieur für Luft- und Raumfahrttechnik als der Europäer mit der größten Weltraumerfahrung. Nach seiner Tätigkeit im Vorstand des DLR für den Bereich Raumfahrtforschung und -entwicklung wurde Reiter, der übrigens der erste deutsche Astronaut mit einem Weltraumaußeneinsatz ist, im April 2011 zum Leiter der neuen ESA-Direktion „Bemannte Raumfahrt und Missionsbetrieb“ berufen. Zu den Aufgaben des vom Dienst beurlaubten Brigadegenerals der Luftwaffe gehören neben der Astronautenausbildung und der Forschung in Schwerelosigkeit auch der operative Betrieb der Raumfahrtinfrastruktur sowie der Ausbau der europäischen Aktivitäten in der bemannten Raumfahrt, insbesondere des Aurora-Programmes.

  • MARS: Vision und Mission

    Mythos Mars

    Die alten Ägypter nannten ihn Hor-descheru, den Roten Horus, nach ihrem Sonnengott. Die Chinesen tauften ihn Huoxing, Feuerstern. Im antiken Griechenland und im Römischen Reich stand er für die Kriegsgötter Ares und Mars. Dank seiner Helligkeit und seiner roten Erscheinung fasziniert der Mars die Menschen schon seit dem Altertum und zieht sie bis heute noch magisch in seinen Bann. Er schürte wie kein Zweiter Furcht und Schrecken durch den Mythos vom außerirdischen Leben und weckt doch als einziger Planet in unserem Sonnensystem die Hoffnung auf eine zweite Chance der Menschheit: Auf eine Erde 2.0. Eine Eroberung, die Vision und Mission zugleich ist. Gerade jetzt wieder, wo mit Curiosity der größte von Menschen gebaute Rover seine erste Erkundung auf dem Roten Planeten unternimmt.

  • Wer bin ich?

    Mars-Visionäre als Pepper's Ghost

    Pepper's Ghostzurück

    Im Modul MARS: Visionäre und Entdecker erzählen fünf herausragende Visionäre ihre ganz persönlichen Geschichten von und über den Roten Planeten. Sie reisen in den Eingeweiden des Moduls mit, erscheinen den Besuchern ganz unerwartet, stellen sich vor und geben ein Rätsel auf: Wer bin ich?
    Für diesen Illusionstrick haben wir uns der Pepper's Ghost-Technik bedient, die auf einem im 19. Jahrhundert von John Pepper erfundenen Bühnentrick basiert. Dabei wird ein Bild oder eine Filmsequenz mit Hilfe eines verspiegelten Glases „geisterhaft“ in jede beliebige Kulisse projiziert. Eingespielte oder animierte Filmsequenzen können so historische Personen filmisch zum Leben erwecken.

    Foto: Volker Kreidler, Berlin

  • I Canali di Marte

    Ein banaler Übersetzungsfehler machte den Astronomen Gionvanni Schiaparelli zum unfreiwilligen Geburtshelfer der „Marsmenschen“. Als sich 1877 der Mars in besonders günstiger Position zur Erde befand, glaubte jener Direktor der Mailänder Sternwarte auf der Planetenoberfläche längliche Rinnen zu erkennen. Was auf Italienisch schlicht „canali“ bedeutet, wurde im Englischen zu „canal“ – zur Wasserstraße. Zu dieser Zeit feierte man gerade die Eröffnung des Suez-Kanals als technisches Meisterwerk und viele glaubten nun, dass es sich bei diesen Strukturen um künstliche, von intelligenten Marsianern gebaute Bewässerungs- systeme handeln müsse. Erst 1965 konnte durch die Bilder der Sonde Mariner 4 mit diesem Mythos aufgeräumt werden. Denn die „canali“ entpuppten sich ganz simpel als optische Täuschung durch gereizte Sehzellen.

    Quelle: Von der Geburt eines Mythos, Reproduktion einer Landkarte, Brera 1888

  • Krieg der Welten

    „Der Mars greift an!“

    „Wir unterbrechen unser Programm für eine aktuelle Durchsage ...“, diese Worte reichten aus, um 1938 abertausende New Yorker in Angst und Schrecken zu versetzen. Nichts ahnend, dass es sich bei den angeblichen Programmberichten, Eilmeldungen und Live-Berichten von einer Mars-Invasion auf dem Radiosender CBS nur um brillante Inszenierungen von Orson Welles handelte, gingen etliche Hörer von einer authentischen Reportage aus. Mit der Folge, dass viele die Behörden alarmierten – etliche suchten sogar ihr Heil in der Flucht und stürmten öffentliche Plätze oder Kirchen. Ähnliches geschah 2010 in Deutschland. Beweis genug, dass selbst heute noch der Mythos der kriegerischen Marsmenschen nicht ganz aus den Köpfen verschwunden ist.

    Orson Welles - "The War of the Worlds" - CBS, London 1938 "Ufos über der Elbe" - Oldie 95, Hamburg 2010
  • Olympus Mons

    Ein vulkanischer Gigant

    Mit einer Gipfelhöhe von über 24 km lässt der Olympus Mons den Mount Everest wahrlich klein dastehen. Dieser Schildvulkan in der Tharsis-Ebene des Mars übertrumpft nämlich sein irdisches Pendant gleich um die dreifache Höhe. Aber auch seine Fläche von 600 km Durchmesser – größer als ganz England – macht den Olympus Mons zum Giganten unseres Sonnensystems. So hätte in seinem 90 km breiten und
    3.000 m tiefen Gipfelkrater eine Stadt wie Berlin locker Platz.

    Fliegen Sie mit!

    Foto: NASA

  • Man on Mars

    Schon jetzt möglich, Herr Zubrin?

    Dr. Robert Zubrin (*1952)zurück

    Dr. Robert Zubrin (*1952)

    Der Mars-Mensch!

    Seit über 20 Jahren ist Robert Zubrin besessen von der Idee, den Mars dauerhaft zu besiedeln. Und weil diese Besessenheit ihn so produktiv macht, wie er selber sagt, eilt er von Vortrag zu Vortrag, verfasst eine Publikation nach der anderen und beteiligt sich in den unterschiedlichsten Funktionen an der Erforschung des Weltraums. Das 1990 von dem Mathematiker, Nuklearwissenschaftler sowie Luft- und Raumfahrtingenieur veröffentlichte Programm Mars Direct ist ein Meilenstein in der Planung bemannter Mars-Missionen. In Zubrins Szenario, das viele Experten für absolut machbar halten, ist eine solche Mission nicht nur wesentlich sicherer, sondern auch weitaus günstiger als alle bisherigen Vorschläge. 1998 gründete Zubrin die gemeinnützige Organisation Mars Society, die sich ausschließlich aus privaten Mitteln finanziert und mittlerweile in vielen Ländern der Erde eigene Gruppen hat. Unter dem Motto „Harte Arbeit. Keine Bezahlung. Aber ewiger Ruhm!“ konnte Zubrin namhafte Mitstreiter wie den Hollywood-Regisseur James Cameron oder den zweiten Astronauten auf dem Mond, Buzz Aldrin, aber auch Wissenschaftler aus der ganzen Welt gewinnen.

    Foto: Volker Kreidler, Berlin

  • Marsonauten gesucht!

    Kinder zwischen 4 und 10 Jahren, die eine gehörige Portion Neugier und jede Menge Entdeckergeist mitbringen, sind bestens qualifiziert, um als Nachwuchs-Marsonaut an einem Außeneinsatz auf dem Roten Planeten teilzunehmen. Um die Flugzeit zum Mars zu verkürzen, erhalten sämtliche Crewmitglieder einen unterhaltsamen Crashkurs in Planetenkunde mit spannenden Informationen über unseren blauen Heimatplaneten und seinen kleinen roten Bruder. Ausgestattet mit Original-Raumanzügen der ESA, kann die gesamte Besatzung nach der Landung die Mars-Oberfläche und die Raumstation erforschen. Hier dürfen Steine geklopft und Proben entnommen werden, die es dann im Labor unter die Lupe zu nehmen gilt. Vor der Rückreise kann natürlich ausprobiert werden, wie es sich so auf einer Marsstation leben und arbeiten lässt.

    Wir sehen uns dann auf dem Roten Planeten!

    Foto: Volker Kreidler, Berlin

  • „Mit einer solchen Ausstellung an einem derart

    stark frequentierten Ort wird nicht nur das Center

    noch interessanter, vielmehr gelingt es, den

    Gästen die spannenden Erkenntnisse aktueller

    Forschung näher zu bringen. Ganz besonders freut

    es mich, dass die Ausstellung interaktive

    Angebote für Kinder im Alter von vier bis zehn

    Jahren macht.“

    Martin Gorholt, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft,
    Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, 03.05.2012 im
    Stern-Center Potsdam

    Mission erfüllt? Folgen wir den Worten des Staatssekretärs Martin Gorholt, dann sind wir unserem Ziel jedenfalls ein gutes Stück näher gekommen. Unsere in Kooperation mit dem DLR und der ESA entwickelte Wanderausstellung „MARS: Vision und Mission“ macht ein hochaktuelles wissenschaftliches Thema an einem öffentlichen Ort, wie Einkaufscenter in ganz Deutschland, erlebbar – umsonst und für jedermann. Ganz besonders am Herzen liegt uns dabei das speziell für Kinder ab dem Vorschulalter entwickelte didaktische Modul „MARS for Kids“, denn wir sind der Meinung, dass die Heranführung an MINT-Themen schon im Vorschulalter beginnen sollte. Begeisterung für naturwissenschaftliche Phänomene kann nicht früh genug geweckt werden.

    Für dieses Engagement danken wir ausdrücklich ECE. Unsere gemeinsame Mission geht noch bis mindestens 2015 weiter!

    Mehr zum Projekt und zur Ausstellung, finden Sie auf der Projekteseite.

  • „Wir müssen den Arzt für den Kopf genauso

    normal sehen wie den Arzt für die Füße.“

    Herbert Grönemeyer, 2009

    Foto: Jürgen Baumann, Berlin

  • Teufelswerk & Dämonenbrut

    Das christliche Mittelalter

    Beinahe 600 Jahre dauerte eines der dunkelsten Kapitel der europäischen Geschichte – die Inquisition, der auch unzählige Menschen mit psychischen Störungen vom Mittelalter an bis in die frühe Neuzeit zum Opfer fielen. Der humane Umgang mit psychisch Kranken, der in der Antike praktiziert und im islamischen Mittelalter aufgenommen wurde, verlor sich im Glauben an eine gestörte Beziehung zu Gott oder an böse Werke des Satans. Krankheitssymptome wie die der Schizophrenie oder Epilepsie wurden als Besessenheit durch Teufel oder Dämonen interpretiert, die man nur mit Exorzismus vertreiben könne. Die Behandlung von Ärzten wurde durch die Teufelsaustreibungsrituale der Exorzisten ersetzt, die sich einzig und allein an die ausführlichen liturgischen Anleitungen der Kirche hielten - wie unter anderem im „Rituale Romanum“ beschrieben, das auch heute noch in der katholischen Kirche Gültigkeit hat.

    Dämonenaustreibung als Audio
  • Hilfe und Sanftmut statt Geister und Dämonen

    Die Behandlung psychisch Kranker im

    islamischen Mittelalter

    Natürlich herrschte während des Mittelalters auch im Islam vereinzelt der Aberglaube, psychische Erkrankungen seien das Werk böser Dschinns, doch der überwiegende Teil der muslimischen Bevölkerung sah – ganz im Gegensatz zum Christentum und dem jüdischen Glauben – als Ursache für Krankheiten des Geistes Störungen im Gehirn an. Verbrieft im Koran als Pflicht jedes Gläubigen war der fürsorgliche Umgang mit Kranken selbstverständlich. Überall im Orient baute man Bimaristans – Krankenhäuser, die zu den fortschrittlichsten jener Zeit zählten. Psychisch kranke Menschen, denen gut ausgebildetes Pflegepersonal mit Sanftmut und Geduld begegnete, erhielten von medizinischen Bädern bis hin zu beruhigender Musik während der Nacht eine Vielzahl an Therapien. Das Wissen um Krankheiten und deren Heilungsmethoden prägten islamische Ärzte weit über die Grenzen des Morgenlandes hinaus. So galt der „Kanon der Medizin“ von Avicenna noch weit bis ins 17. Jahrhundert als eines der führenden Werke der Heilkunde.

  • Epidauros –

    Kultstätte der Heilung

    Epidauros auf der griechischen Halbinsel Peleponnes ist das älteste und bedeutendste Heiligtum des Asklepios, der als Gott der Heilkunst verehrt wurde. Kranke nahmen oft strapaziöse Reisen über mehrere Tage auf sich, um in dieser Kultstätte Hilfe für ihre Beschwerden zu finden. Aus heutiger Sicht kann man Epidauros als eine Art Sanatorium oder Kurbad bezeichnen, in dem psychisch und physisch Kranke eine Vielzahl von therapeutischen Maßnahmen erfuhren. Zum Höhepunkt eines Aufenthaltes in Epidauros zählte der Tempelschlaf, eine Art Trance-Zustand, in dem Asklepios oder einer seiner Abgesandten den Kranken Ratschläge für die Genesung erteilte.

    Folgen Sie uns an den Ort des

    Tempelschlafs!

    Video
  • Die Befreiung der

    „Geisteskranken

    Männer“ im Jahre 1793

    Auf diesem Gemälde des französischen Malers Charles-Louis Müller aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wird die Befreiung der Männer von ihren Ketten durch Philippe Pinel dargestellt. In der nahe bei Paris gelegenen Anstalt Bicêtre, in der nicht nur Vagabunden und Verbrecher inhaftiert waren, sondern auch Homosexuelle und „Verrückte“, wurden die Gefangenen in Ketten gelegt und ausgepeitscht, um ihnen ihr „sündiges Verhalten“ auszutreiben. Pinel übernahm 1792 die Leitung von Bicêtre und erlöste ein Jahr später die Männer von ihren Fesseln.

    Philippe Pinelzurück

    Philippe Pinel (1745-1826)

    Fürsorge und Heiligung statt Strafe und Züchtigung

    Man kann Philippe Pinel mit ruhigem Gewissen als Vorreiter der modernen Psychiatrie bezeichnen. Der französische Arzt legte mit seinen Schriften über die moralische Behandlung den Grundstein für eine veränderte Einstellung zu psychisch Kranken: Weg vom Einsperren, Fesseln und Malträtieren - und hin zu einem humanen, von Milde, Zuwendung und Geduld geprägten Umgang. Nach dem er 1793 die Leitung des „Hospice de Bicêtre“ und ein Jahr später die des „Hôpital de la Salpêtrière“ übernahm, löste sich Pinel von den bisherigen unmenschlichen Methoden der Internierungsanstalten für „Verwirrte, Wahnsinnige und Kriminelle“ und setzte stattdessen auf eine enge ärztliche-pflegerische Betreuung. Zur Therapierung der Patienten waren seiner Meinung nach neben Freundlichkeit vor allem Hygiene, viel Licht und frische Luft notwendig. Mit seinen damals völlig neuen Ansätzen bewies Pinel, dass die Bedingungen der Unterbringungen einen enormen Einfluss auf das Krankheitsbild und Verhalten psychisch Kranker haben. Auch die Erkenntnis, dass psychische Krankheiten i.d.R. nicht mit Beeinträchtigungen der intellektuellen oder kognitiven Fähigkeiten verbunden sind, ist ihm ebenfalls zu verdanken. Zwar verschwanden unter Pinel Zwangsjacken und eiskalte Duschen nicht ganz, so leistete er dennoch einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der wissenschaftlichen Psychiatrie.

  • Die Befreiung der

    Frauen von ihren

    Ketten im Jahr 1795

    Zwei Jahre nach der Einführung der Menschenrechte für die Männer galten diese im revolutionären Frankreich dann endlich auch für die Frauen. Als Gegenstück zum Gemälde von Charles-Louis Müller über die Befreiung der männlichen „Irren“ von ihren eisernen Fesseln beschreibt der Maler Tony Robert Fleury 1878 die Befreiung der weiblichen „Verrückten“ durch Philippe Pinel im überspitzten Stil der Zeit. Dank dieses Gemäldes wurde Pinel zur Ikone der Fortschrittlichkeit im französischen Gesellschaftssystems.

    Philippe Pinelzurück

    Philippe Pinel (1745-1826)

    Fürsorge und Heiligung statt Strafe und Züchtigung

    Man kann Philippe Pinel mit ruhigem Gewissen als Vorreiter der modernen Psychiatrie bezeichnen. Der französische Arzt legte mit seinen Schriften über die moralische Behandlung den Grundstein für eine veränderte Einstellung zu psychisch Kranken: Weg vom Einsperren, Fesseln und Malträtieren - und hin zu einem humanen, von Milde, Zuwendung und Geduld geprägten Umgang. Nach dem er 1793 die Leitung des „Hospice de Bicêtre“ und ein Jahr später die des „Hôpital de la Salpêtrière“ übernahm, löste sich Pinel von den bisherigen unmenschlichen Methoden der Internierungsanstalten für „Verwirrte, Wahnsinnige und Kriminelle“ und setzte stattdessen auf eine enge ärztliche-pflegerische Betreuung. Zur Therapierung der Patienten waren seiner Meinung nach neben Freundlichkeit vor allem Hygiene, viel Licht und frische Luft notwendig. Mit seinen damals völlig neuen Ansätzen bewies Pinel, dass die Bedingungen der Unterbringungen einen enormen Einfluss auf das Krankheitsbild und Verhalten psychisch Kranker haben. Auch die Erkenntnis, dass psychische Krankheiten i.d.R. nicht mit Beeinträchtigungen der intellektuellen oder kognitiven Fähigkeiten verbunden sind, ist ihm ebenfalls zu verdanken. Zwar verschwanden unter Pinel Zwangsjacken und eiskalte Duschen nicht ganz, so leistete er dennoch einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der wissenschaftlichen Psychiatrie.

  • Hier scheiden sich die Geister

    Die zweite Psychiatriereform

    Im Laufe des 19. Jahrhunderts verstärkten sich in Europa die Bestrebungen für eine verbesserte Unterbringung und Behandlung psychisch Kranker. Doch leider spaltete sich das Lager der Mediziner aufgrund unterschiedlicher Auffassungen, was für die Patienten am besten sei. Während die einen, vor allem in Deutschland, die Unterbringung der Kranken fernab ihrer sozialen Heimat in „Landasylen“ propagierten, forderten andere wie der Reformer Wilhelm Griesinger zumindest die Versorgung akut psychisch Kranker in „Stadtasylen“, damit eine Behandlung in enger Zusammenarbeit mit den Universitätskliniken auf einer wissenschaftlichen

    Basis erfolgte. Leider konnte sich dieses Konzept der gemeinde- und universitätsnahen Versorgung nur in der Schweiz durchsetzen, hier wurden bereits 17 % der Patienten in Universitätskliniken behandelt, an denen 23 % der Psychiater arbeiteten. In Deutschland wurden dagegen gerade 3 % der Patienten in universitären Einrichtungen behandelt und nur 10 % der Psychiater waren dort beschäftigt. Somit waren durch die Entwicklung in Deutschland 90 % der Psychiater, die Forschung betrieben, Fachgesellschaften gründeten und Zeitschriften herausgaben, vom Universitätsbetrieb weitgehend ausgeschlossen.

    Wilhelm Griesingerzurück

    Wilhelm Griesinger (1817-1868)

    Psychische Krankheiten sind Erkrankungen

    des Gehirns

    Wilhelm Griesinger gilt als einer der Begründer der wissenschaftlichen Psychiatrie. Nach Griesingers Überzeugung waren Geisteskrankheiten Krankheiten des Gehirns. Um Krankheitsbilder wissenschaftlich bestimmen zu können, forderte Griesinger die gezielte Informationserhebung von psychischen Störungen. Dabei erachtete er nicht nur die aktuelle Situation der psychisch Kranken als wichtig, sondern legte ebenso Wert auf ihre biografische Entwicklung einschließlich der Familiengeschichte, wodurch erstmals das persönliche Erleben der Patienten in den Vordergrund trat. Griesingers psychiatrisches Versorgungskonzept sah die Unterbringung von chronisch Kranken in Landasylen vor. Akutkranke dagegen sollten für eine begrenzte Zeit in Stadtasylen in enger Zusammenarbeit mit Universitätskliniken behandelt werden. Die reale Entwicklung in Deutschland verlief jedoch nicht nach Griesingers Vorstellung – die meisten psychiatrischen Anstalten waren auf dem Land, weit von den Universitäten entfernt. Nur in der Schweiz wurde 1870 mit der Gründung der Psychiatrischen Universitätsklinik „Burghölzli“ die Vision Griesingers umgesetzt.

  • Krankenmordaktion

    Euthanasie

    In den Jahren 1933 bis 1945 wurden zehntausende psychisch kranke oder geistig behinderte Männer, Frauen und Kinder verstümmelt und ermordet. Für sie gab es keinen Platz in der so genannten deutschen Volksgemeinschaft. Ihre Versorgungs- und Unterstützungsbedürftigkeit hatte sie zu „Ballastexistenzen“ gemacht, die es zu beseitigen galt. Die nationalsozialistische Diktatur bot die Voraussetzungen für Legitimation und Organisation dessen, was Politiker und Ärzte schon lange gefordert hatten. Tradierte Vorurteile gegenüber Kranken und Behinderten wie auch die sozialen Verteilungskämpfe ließen den größten Teil der Bevölkerung dazu schweigen.

  • Psychiatrie wird politisch

    Die dritte Psychiatriereform

    Trotz aller Reformen der vergangenen 200 Jahre konnte auch im 20. Jahrhundert von einer Gleichstellung psychisch und physisch Kranker lange nicht die Rede sein. Zumal die Psychiatrie in Deutschland während der Nazidiktatur mit den Euthanasiemorden einen furchtbaren Rückschlag erlitt. In ganz Deutschland verwahrte man psychisch Kranke bis in die 1970er Jahre unter unzumutbaren Zuständen in veralteten, überfüllten Kliniken. Es herrschte Pflegenotstand pur, auf einen Arzt kamen fast zehnmal so viele Patienten wie vorgegeben. Nur aufgrund unermüdlicher Initiative einiger mutiger Vorstreiter in Ost und West, vor allem aus der jungen Garde der Psychiater, wurden die Reformbestrebungen in der Psychiatrie im damals noch geteilten Deutschland wieder aufgenommen: In der DDR 1963 mit der Verkündung der Rodewischer Thesen und in der Bundesrepublik 1971 mit der Einrichtung einer Enquête-Kommission im Deutschen Bundestag. Beides führte zu neuen, wegweisenden Impulsen in der Psychiatrie. Für das 21. Jahrhundert ist zu hoffen, dass auch die Reformen immer wieder reformiert werden. Zum Wohl der psychisch Kranken, ihrer Angehörigen und der Gesellschaft insgesamt.

    Video zum Interview mit Heinz Häfner
  • „Ich halte die Ausstellung für absolut spektakulär!

    Ich habe so etwas noch nie gesehen (...)

    Es ist ein außergewöhnlicher Beitrag!

    Wenn wir sehen, welchen Weg wir zurückgelegt

    haben von totaler Ignoranz zu einem teilweisen

    Verständnis, dann dürfen wir hoffen, dass wir

    in den nächsten 2.000 Jahren tatsächlich ein

    befriedigendes Verständnis dieser Erkrankungen

    erlangen werden.“

    Eric Kandel, Nobelpreisträger für Medizin, 19.12.2010

    Mehr im Video

    Mit diesen Worten äußerte sich der amerikanische Neurowissenschaftler und Nobelpreisträger für Medizin oder Physiologie Eric Kandel über die von beier+wellach in Zusammenarbeit mit der SALUS gGmbH konzipierte Ausstellung „Dämonen und Neuronen“. Worte voller Lob, wie wir sie als Gestalter von Themen auch nicht alle Tage hören. Aber auch Worte, die eines gewissen Zynismus nicht entbehren und nachdenklich stimmen in Anbetracht der 5.000 Jahre, die die Menschheit brauchte, um psychische Erkrankungen „teilweise“ zu verstehen. Wird es tatsächlich noch weitere 2.000 Jahre dauern, bis wir den Krankheiten des Kopfes mit dem „befriedigenden“ Ergebnis begegnen, von dem Eric Kandel spricht? Wir von beier+wellach projekte hoffen nicht.

    Mehr zum Projekt und zur Ausstellung, finden Sie auf der Projekteseite.